Anhaltend hohes Niveau beim Bau neuer Kohlekraftwerke weltweit

Anhaltend hohes Niveau beim Bau neuer Kohlekraftwerke weltweit

[April 2024] Sowohl der historische Trend zum jährlichen, weltweiten Bau neuer Kohlekraftwerke als auch die aktuell bekannten Projekte in Planung oder Genehmigung deuten insgesamt auf eine nach wie vor bestehende Nachfrage an neuen Anlagen hin, wenn auch mit leichtfallender Tendenz.

Anhand aktiver Recherchen und eigener Erfahrungen mit der Kraftwerksvermarktung analysiert das troveo-Team regelmäßig die Zielländer für den Zubau und die Erneuerung bzw. Umrüstung von Kohlekraftwerken.

Wesentliche, quartalsweise aktualisierte Datenquellen sind hierzu die Ländertabellen zur Entwicklung des Kohlekraftwerksmarktes, bereitgestellt von der unabhängigen Studiengruppe „Global Energy Monitor (GEM)“ aus Kanada sowie die Artikel des unabhängigen Think Tanks „Carbon Tracker“ mit Sitz in London.

Unter anderem beinhalten diese Tabellen von GEM je Land:

–   Den aktuellen Stand der installierten Kraftwerkskapazität

–   Den jährlichen Zubau an installierter Kraftwerkskapazität der letzten 23 Jahre

–   Die aktuell geplante und in Bau befindliche Kraftwerkskapazität insgesamt

–   Neu hinzugekommene, geplanten und in Bau befindlichen Kraftwerkskapazität der letzten Quartale

Dabei kommt den jährlichen Zubau-Mengen in Megawatt eine besondere Aussagekraft zu: Wie die folgende Abbildung zum weltweiten, jährlichen Gesamtzubau seit dem Jahr 2000 zeigt, ist der Trend bei Neubauprojekten seit etwa 2017 rückläufig.

 

Auf einzelne Länder heruntergebrochen hat der bei weitem größte Zubau in China stattgefunden hat, gefolgt von Indien. Dazu bietet sich also eine differenzierte Betrachtung an, wie im folgenden Diagramm dargestellt:

 

Diese differenziertere Abbildung zeigt, dass in China etwa 2006/2007 ein Peak erreicht wurde, während Indien zwischen 2012 und 2016 die höchsten Zubau-Raten gesehen hat, jedoch mit insgesamt deutlich niedrigeren Jahreswerten. In beiden Ländern sinkt der Zubau seitdem stetig, wenn auch mit Schwankungen.

Die übrigen etwa 50 Länder mit neuen Kohlekraftwerken verzeichnen zwischen 2005 und 2015 einen wachsenden Zubau, der sich seit 2016 auf einem konstanten Niveau fortsetzt. Ein baldiges Ende des Baus neuer Steinkohlekraftwerke ist aus diesen Trends nicht abzuleiten.

Dies bestätigen auch weitere Tabellen von GEM zum Stand der aktuell geplanten Maßnahmen: Wie aus den umfangreichen Daten ersichtlich, erfolgt der aktuell bezifferte Zubau vor allem in Asien, und zwar selbst dann, wenn China nicht mitberücksichtigt ist. Dabei weist Indien mit ca. 45 Gigawatt nach China bei weitem den höchsten Landeswert aus. Asien ist zugleich der aktivste Markt für gebrauchte Kraftwerkstechnik, sowohl beim An- als auch beim Verkauf.

Weltweit – ohne China – liegt der aktuell bekannte, geplante bzw. in Genehmigung befindliche Bau neuer Kohlekraftwerke bei ca. 110 Gigawatt Leistung. Darin nicht eingerechnet sind neue Industrieanlagen.

Unter anderem lässt sich aus diesen Daten je Zielland das generelle Potential für die Wiederverwendung gebrauchter Bauteile bzw. Bauteilgruppen von Kohlekraftwerken ableiten. Dabei kommt eine Wiederverwendung als Brückentechnologie besonders bei dringenden Projekten oder bei Projekten mit niedrigem Investitionsbudget in Frage, sei es bei Neubauten oder auch bei Erneuerungen bzw. Ersatzbeschaffungen.

Senden Sie uns bei Interesse an den Markttrends bitte einfach eine Nachricht team@troveo.de zu. Wir freuen uns auf den fachlichen Austausch mit Ihnen.